Geschichtliches zum Stricken

Die Ursprünge des Strickens sind bis heute ungewiss. Stämme aus Kleinasien trugen schon 1.900 v. Chr. Vorläufer der Stricksocke an den Füßen. Wahrscheinlich ist das Stricken aus der Netzarbeit - dem Verknoten von Fäden - und später, der Nadelarbeit - dem Verschlingen der Fäden mit Hilfe einer Nadel - hervorgegangen. Im Unterschied zu beiden Vorstufen werden jetzt zwei Nadeln benutzt. In der Antike fand das Stricken vor allem Anwendung bei der Herstellung von Theaterkostümen.

 Nachdem das Stricken etwas in Vergessenheit geriet, reimportierten es warscheinlich die Mauren nach Europa, geanauer gesagt nach Spanien: Erhalten sind Kissenbezüge aus dem späten 13. Jahrhundert, die in Gräbern der kastillischen Königsfamilie gefunden wurden.

 Im Hochmittelalter prägt das Stricken immer mehr die Hausarbeit der Frauen. Das Rundstricken mit vier oder fünf Nadeln stammt aus dieser Zeit. In Italien verbreitete sich das Tragen von Stricksocken. Aber auch Henry IV. von England soll überzeugter Stricksockenträger gewesen sein.

 Das Handstricken entwickelte sich im Hoch- und Spätmittelalter zu einem anerkannten Handwerk. daher gibt es deutlich mehr Strickfunde aus dieser Zeit. Das gewerbliche Stricken entstand im 13. Jahrhundert in Paris. Zunächst nicht sehr hoch in der Hierarchie der Handwerke angesiedelt, schaffte es bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts den Aufstieg zu einer der wichtigsten Handwerkergilden. 

Im Jahr 1600 wurden erstmalig in Deutschland die `` Nürnberger Hosen- und Strumpfstricker `` urkundlich erwähnt. Männer und Frauen strickten gleichermaßen. Diese rasche Aufwertung der Handarbeit könnte zusammenhängen mit der wachsenden Nachfrage nach möglichst körperbetonten Beinkleidern in der Männermode.

 

1598 baute der englische Pfarrer William Lee eine Handkuliermaschine, mit der Strümpfe maschinell sechsmal schneller als per Hand gestrickt werden konnten. Königin Elizabeth I. war sich schnell der möglichen Folgen bewusst. Sie verbot die Maschine, um die Arbeitsplätze der Handstricker zu schützen. Lee verließ daraufhin die Heimat und ging nach Rouen in Frankreich, wo er seine Erfindung erfolgreich vermarkten konnte. Lees Strickmaschine gilt als Vorbote der Mechanisierung im Textielgewerbe, die Ende des 18. Jahrhunderts die industrielle Revolution einläutete.